Aus der Chronik des Bläserchores Rulle

Der Bläserchor Rulle wurde im Jahr 1921 gegründet. Vieles hat sich in dieser Zeit ereignet, und so will die Chronik die wichtigsten Stationen in der Vereinsgeschichte festhalten, die nicht zuletzt von den Dirigenten des Bläserchores geprägt wurden und werden; von Dechant Wilhelm Gertken, Rektor Robert Laermann, Johannes Krone, Rüdiger Huesmann und Niko Förster.

Die Zeit unter Dechant Wilhelm Gertken (1921 - 1948)

11Die Zeit unter Dechant Wilhelm Gertken (1921 bis 1948)

Die Entstehungsgeschichte des Bläserchores ist im wahrsten Sinne des Wortes eine „stürmische“ Angelegenheit.

Als am 20. Februar 1920 Wilhelm Gertken als Pfarrer nach Rulle kam, wünschte er sich ein Blasorchester, das bei Wallfahrten und Prozessionen die Gesänge begleiten sollte. Der Kirchenvorstand aber war dem nicht so zugetan. Wovon sollten die Instrumente bezahlt werden? Da ergab es sich, daß Pfarrer Gertken mit dem Kirchenvorstand nach Borkum fuhr, wo er Kaplan gewesen war. Es war ein stürmischer Tag. Das Boot auf dem Meer schaukelte so stark, dass den Männern angst und bange wurde. Diese Gelegenheit machte sich Pfarrer Gertken zunutze und sagte: „Wenn wir hier heil und gesund wieder herauskommen, stifte ich ein Horn für ein Blasorchester.“ Nach und nach schlossen sich alle anderen dem Versprechen an und stifteten weitere Instrumente. Die Geburtsstunde des Bläserchores war gegeben. So konnte Pfarrer Gertken seine Idee in die Tat umsetzen und gründete am 24. Juli 1921 den Bläserchor Rulle.

Dass es Pfarrer Wilhelm Gertken mit der Gründung des Bläserchores vor allem um die musikalische Begleitung der kirchlichen Feiern ging, wird auch aus den noch vorhandenen handgeschriebenen Statuten von 1921 deutlich. Dort heißt es, dass es die erste Aufgabe des Chores sein soll, bei den Prozessionen die Choräle zu begleiten, aber auch, bei gemeinnützigen Feiern der Kirchengemeinde mitzuwirken. Das erste Übungslokal war das Pfarrhaus, in dem zweimal wöchentlich unter Wilhelm Gertkens Leitung, der selbst jedes Instrument außer Posaune und Klarinette spielte, geübt wurde. Schon nach einigen Monaten wurde das Gasthaus Nieporte Vereinslokal, wo auch heute noch wöchentlich geprobt wird.
Die ersten aktiven Bläser von 1921 waren:

Gertken, Wilhelm (Leiter)
Garthaus, Johannes
Kahmann, Bernhard
Klanke, Ferdinand
Sander, Franz
Wamhoff-Spannhorst, Franz
Weghorst, Franz

Doch ohne finanzielle Hilfe konnte der junge Verein nicht existieren. So fanden sich vom Gründungsjahr an Menschen bereit, den Chor zu unterstützen. Die ersten fördernden Mitglieder von 1921, damals als Ehrenmitglieder aufgeführt, waren:

Beckmann, Heinrich
Garthaus, Josef
Große Schawe, Franz
Helmich, Josef
Knollmeyer, Anton
Nieporte, Franz
Sander, Wilhelm
Törner, Heinrich
Vornholt, Johannes
Wöstmann-Garthaus, Ludwig.

Der Jahresbeitrag der Ehrenmitglieder wurde auf 3,- Reichsmark festgesetzt und 1932 auf 5,- Reichsmark erhöht. Dieser Beitragssatz blieb bis 1964 mit 5,- DM unverändert. Damals mussten auch die aktiven Bläser ihren Verein finanziell in Höhe des halben Jahresbeitrages unterstützen.

Durch Fleiß und Energie konnte der kleine Chor 1922 zum ersten Mal auftreten und begleitete bei der Einweihung des Marienbrunnens die Gesänge der Gemeinde. Und bereits am 15.April 1923 trat der Chor mit einem Konzert an die Öffentlichkeit. Auf Anregung von Pfarrer Wilhelm Gertken folgte 1925 ein Konzert- und Theaterabend bei Knollmeyer im Nettetal, dessen Programm noch heute erhalten ist. Der Erlös war für den Bau der Wallfahrtskirche bestimmt.

Auf Pünktlichkeit und Disziplin wurde schon sehr früh Wert gelegt. Im Protokoll der Generalversammlung von 1924, der zweiten überhaupt, heißt es wörtlich: „Für Verspätung in den Übungsstunden, wenn selbige mehr als 5 Minuten beträgt, wurde eine Strafe von 10 Pfg. festgesetzt. Für einmaliges Fehlen bei den Übungsstunden wurde eine Strafe von 50 Pfg. festgesetzt.“

Früh wurde auch der Kontakt mit den anderen Vereinen der Gemeinde geknüpft und gepflegt. So begleitete der Bläserchor bereits 1935 den Festzug des Schützenvereins Rulle. Wie aus dem jährlich aufgeführten Mitgliederverzeichnis zu ersehen ist, waren erfreulicherweise immer wieder Menschen bereit, als aktive Bläser im Chor mitzuspielen. Das älteste Foto des Bläserchores stammt aus dem Jahre 1935 und dokumentiert das Mitgliederwachstum des Vereins.

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Doch die folgende Zeit des Krieges brachte auch für unseren Chor schmerzliche Verluste. Das letzte Protokoll wurde 1941 niedergeschrieben und benennt 9 Bläser, die zum Wehrdienst eingezogen wurden. Danach liegen der Chronik keine weiteren Aufzeichnungen vor. Erst am 27. Dezember 1949 wurden die Mitglieder durch einen damals ortsüblichen dreifachen Anschlag wieder zu einer Generalversammlung geladen.

Mit der unmittelbaren Nachkriegszeit endete auch die Zeit unter unserem ersten Dirigenten. Auf Grund seines hohen Alters trat Dechant Gertken auf eigenen Wunsch im Jahr 1948 als Dirigent zurück. Als Vertreter wurde Lehrer Robert Laermann vorgeschlagen, der von nun an die Leitung des Bläserchores übernahm.

Die Zeit unter Robert Laermann (1948 - 1975)

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Die Zeit unter Robert Laermann (1948 bis 1975)

Wurde unter Dechant Gertken hauptsächlich der kirchliche Auftrag des Chores in den Vordergrund gestellt, so trat der Bläserchor unter der Leitung von Rektor Robert Laermann häufiger an die Öffentlichkeit. In seiner Zeit wurde vieles begonnen, was heute zum traditionellen Bestand des Bläserchores zählt.

Eine dieser Traditionen begann im Jahre 1950. Für die Menschen gab es nach dem Krieg einen Nachholbedarf an Kultur und Geselligkeit. Darum veranstaltete der Chor für seine Mitglieder eine Tannenbaumfeier im Vereinslokal Nieporte. Nach einem kleinen Konzert gab es Kaffee und Kuchen, dann wurden die Kerzen am Tannenbaum angezündet und jung und alt sangen mit Begeisterung Weihnachtslieder. Der anschließende Tanz bis in den Abend hinein rundete die Feier ab, die bei allen das Empfinden hinterließ, zu einer großen Vereinsfamilie zu gehören. Diese Feier im Januar hat sich bis heute in veränderter Form als Vereinsfest für unsere Mitglieder erhalten.

Einige Jahre später konnte der Bläserchor sein 30-jähriges Bestehen feiern. Getreu seinen Wurzeln wurde dieses Jubiläum mit einem Festgottesdienst in der Ruller Wallfahrtskirche eröffnet. Wie so oft bei feierlichen Anlässen begleitete der Chor die Gesänge und spielte zum würdigen Abschluss des Gottesdienstes die Festhymne von Fr. Silcher. Das Gartenkonzert am Nachmittag erhielt einen besonderen Glanz, als der im Amt ergraute Dechant Gertken vor den Chor trat und zwei altbekannte Märsche dirigierte. Niemand konnte ahnen, daß dies sein letzter Auftritt mit dem Chor war.

Hier ein Foto des Bläserchores aus dem Jahr 1951:

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30 Jahre Bläserchor Rulle 1951

Aufstellung vor der alten Diele des Hauses Nieporte

Am 11. Juli 1952 starb Dechant Wilhelm Gertken. 32 Jahre hat er den Bläserchor geformt, geprägt und immer wieder neu motiviert. Aus Anlass seines goldenen Priesterjubiläums verlieh ihm 1946 der Bischof den Titel „Geistlicher Rat“. Groß sind die Verdienste des Verstorbenen um die Wiederbelebung von Rulle als Wallfahrtsort des Osnabrücker Landes. Seiner Energie und seinem Kunstverständnis ist es zu verdanken, dass in Rulle heute die große, schöne Wallfahrtskirche steht, an deren innerer Ausstattung er bis in die letzten Wochen seines Lebens arbeitete. Der Ruller Bläserchor gab seinem Gründer und Ehrendirigenten mit der gesamten Trauergemeinde das letzte Geleit. Der Bläserchor wird ihm immer ein bleibendes Andenken bewahren.

In den fünfziger Jahren wurden unter Robert Laermann weitere, heute schon traditionelle Einsätze begonnen. So trat 1952 der Pfarrer von Lüstringen, Johannes Gösling, mit der Bitte an den Bläserchor, die Fronleichnamsprozession mit Chorälen zu begleiten. Die Bläser fuhren am Nachmittag mit dem Bus nach Lüstringen, und das begeisterte Singen der ganzen Prozession wurde zu einem herrlichen Gotteslob, wie Pfarrer Gösling dem Bläserchor dankbar schrieb. Bis Ende der 1990er Jahre begleitete der Bläserchor die Fronleichnamsprozession in Lüstringen.

Zwei Jahre später, am 31. Januar 1954, veranstaltete der Bläserchor ein „volkstümliches Konzert“ im Saal Wöstmann, mitgestaltet vom MGV „Cäcilia“ Rulle und dem Mädchenschulchor der Westruller Schule. Trotz eisiger Kälte waren viele gekommen, um ein paar fröhliche Stunden zu erleben. In der Tagespresse war zu lesen: „Der verdiente Leiter des Bläser- und Mädchenchores, Lehrer R. Laermann, erntete mit seinen Bläsern und Sängerinnen sowie in der Gestaltung der Festfolge einen vollen Erfolg. Das aus 24 Bläsern bestehende Orchester ist unter seiner Stabführung zu einem Klangkörper zusammengewachsen, der durch die Sauberkeit der Tongebung, durch seine straffe Disziplin und in der Zusammensetzung der Instrumente allgemein gefiel. Pfarrer Joh. Thomes sprach in seinen Dankworten davon, dass das musikliebende Rulle uns einige schöne und frohe Stunden geschenkt habe.“

In der Folgezeit veranstalteten der Bläserchor und der MGV „Cäcilia“ gemeinsam fast jährlich Konzert- und Unterhaltungsabende, die die enge freundschaftliche Verbundenheit der beiden Ruller Chöre dokumentiert. Bis heute setzt sich diese Tradition der gemeinsamen Konzerte fort.

Der Bläserchor pflegte und pflegt aber auch den Kontakt zu anderen Vereinen des Ortes wie dem Sportverein, dem Schützenverein, dem Kolping, der Feuerwehr und noch vielen anderen und spielt zu ihren Veranstaltungen auf.

Doch bei all diesen öffentlichen Veranstaltungen blieb der Bläserchor seinem Grundsatz treu, vorrangig für den kirchlichen Dienst da zu sein. Die jährlichen Prozessionen, die Meppener Wallfahrt, die Männerwallfahrt, die Vertriebenenwallfahrt sowie seit 1963 der Martinszug sind bis heute traditionsreiche und feste Bestände im Vereinsleben. Hier ein Bild von der Männerwallfahrt 1962.

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Das 40-jährige Bestehen des Bläserchores wurde am 7.Mai 1961 gefeiert. Nach einem Gottesdienst gab der Chor im Saal Wöstmann ein festliches Konzert. Unter der Leitung von Robert Laermann war der Bläserchor mittlerweile derart geschult, daß er Stunden der Unterhaltung auf hohem Niveau bieten konnte. Besonderen Wert legte Rektor Laermann dabei auf die Einstudierung klassischer Stücke, insbesondere Ouvertüren, die nicht nur das Konzert zur Jubiläumsfeier bereicherten.

Wer kann sie alle eigens nennen, die vielen Einsätze, die der Bläserchor bei Geburtstagen, Hochzeiten, Jubiläen, kirchlichen Anlässen, Totengedenkfeiern, Beerdigungen, Veranstaltungen anderer Vereine und vielem mehr um die 40 Mal im Jahr hatte? Und doch gibt es Einsätze, die besonders erwähnt seien. So pflegt der Bläserchor bis heute ein gutes Verhältnis zu den Schützenvereinen der benachbarten Ortschaften und übernahm von 1962-1998 für den Schützenverein Lechtingen, von 1986-1998 für den Schützenverein Mentrup-Hagen und seit 1972 bis heute für den Schützenverein Icker die Begleitung des Festzuges und das anschließende Konzert im Festzelt.

Ein ganz besonderer Einsatz, dem der Chor immer wieder gerne nachkam, war von 1971 bis 1979 die musikalische Begrüßung des Caritas Sonnenzuges für Behinderte am Osnabrücker Hauptbahnhof. Von 1980 bis 1984 war der Chor sogar Begleiter auf den Fahrten des Sonnenzuges. Norddeich-Mole, Köln-Deutz und Biggesee waren die bevorzugten Ziele der Ausflüge. Während der üblichen Schiffahrt begleitete der Bläserchor die Gesänge beim Gottesdienst und sorgte im Anschluss daran für unbeschwerte musikalische Unterhaltung. Wir hatten bei diesen Einsätzen immer ein dankbares Publikum.

In all den Jahren wuchs der Chor und konnte immer wieder neue Bläser in seine Reihen aufnehmen, wie man auf dem Jubiläumsfoto vor dem Außenaltar der Ruller Kirche zum 50-jährigen Bestehen des Bläserchores im Jahre 1971 sehen kann. Nach dem Festgottesdienst, umrahmt von der Hymne „Festlicher Beginn“, dem Largo von Händel und dem Stück „Die Himmel rühmen“, versammelten sich die Mitglieder mit ihren Frauen zu einer besinnlichen Stunde im Vereinslokal Nieporte. Das Festkonzert vor großer Kulisse auf dem Platz vor der Turnhalle erntete reichen Beifall. Den Abschluss des Festes bildete in den Abendstunden die gut besuchte Tanzveranstaltung im Saal Lingemann.

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50 Jahre Bläserchor Rulle 1971

Am 27. Februar 1975 verstarb unser Dirigent und 1. Vorsitzende Rektor Robert Laermann. 25 Jahre stand er dem Chor vor und setzte dabei Maßstäbe. Unter seiner Leitung ist der Bläserchor musikalisch gereift und zu einem Begriff für die Öffentlichkeit geworden. Er setzte Pünktlichkeit, Disziplin und Fleiß im Verein um und formte ihn zu einer musikalischen Einheit. Sein Idealismus, seine Einsatzfreude und -bereitschaft für die Ziele und Aufgaben des Bläserchores, gepaart mit echter Kameradschaft für jeden Bläser, ist uns ein bleibender Auftrag. Der Bläserchor begleitete seinen Dirigenten auf seinem letzten Weg. Wir werden ihm immer ein ehrendes Andenken bewahren.

Die Zeit unter Johannes Krone (1975 - 2000)

13Die Zeit unter Johannes Krone (von 1975 bis 2000)

Nach dem Tod von Rektor Robert Laermann gestaltete sich die Frage der Dirigentennachfolge zunächst als schwierig, denn der stellvertretende Dirigent, Johannes Krone, war als ausgezeichneter 1. Flügelhornist fast unabkömmlich. Da sich aber keine geeignetere Person finden ließ, erklärte sich Johannes Krone zum großen Glück des Bläserchores bereit, das Erbe von Robert Laermann zu übernehmen. Gleichzeitig wurde die bis dahin übliche Verbindung von Dirigentenamt und 1. Vorsitzenden aufgeteilt und der 1. Vorsitz bis 1980 von Mathias Niemeyer übernommen.

Die bisherige Zeit unter Johannes Krone steht neben vielem anderen vor allem für eine personelle und musikalische Verjüngung des Bläserchores. Bereits von 1975 bis 1977 konnte der Verein neun Jungbläser aufnehmen. Der Wunsch der jungen Bläser, auch moderne Stücke zu spielen, wurde von Johannes Krone gern aufgenommen und zum festen Bestandteil des Repertoires des Bläserchores gemacht.

Am 17. Oktober 1981 feierte der Bläserchor sein 60-jähriges Bestehen. Nach einem feierlichen Gottesdienst gab es im Saal des Vereinswirtes Nieporte ein festliches Konzert mit einem ausgesuchten Programm über sechs Jahrzehnte. Der 1. Vorsitzende Franz Siebenand gab, unterstützt durch eine Bild- und Schriftendokumentationstafel, allen Mitgliedern und Gästen einen Überblick über die Geschichte des Bläserchores. Unser damaliger Präses, Dechant Gerhard Wilken, konnte zwei der ältesten aktiven Bläser für 50-jährige Treue zum Verein ehren. Die goldene Bläsernadel erhielten Mathias Niemeyer und Heinrich Schawe, die beide zudem über 25 Jahre im Vorstand tätig waren. Tanz und Geselligkeit im Rahmen der großen Bläserfamilie rundeten das Jubiläumsfest ab.

Die achtziger und frühen neunziger Jahre brachten für den Bläserchor unter der Leitung von Johannes Krone zum einen neue Einsätze wie das Hallenturnier des Reit- und Fahrvereins Rulle, bei dem der Bläserchor seit 1984 spielte. Zum anderen wurde Altbewährtes auf neue Weise weitergeführt, als die gemeinsamen Konzerte mit dem MGV „Cäcilia“ von 1983 an alle zwei Jahre erweitert wurden in große Chor- und Instrumentalkonzerte der Ruller Chöre im Saal Lingemann und in der Mehrzweckhalle Rulle. In den Jahren dazwischen veranstaltete der Bläserchor gemeinsame Konzerte mit dem MGV „Cäcilia“, von denen besonders das Konzert aus dem Jahre 1986 als ein „rauschender Musikabend“ in Erinnerung geblieben ist. Dazu schrieb die Neue Osnabrücker Zeitung: „Der Männergesangverein „Cäcilia“ Rulle und der Bläserchor Rulle hatten gerufen, und etwa 1000 Freunde der Musik folgten der Einladung zu einem Konzert in die neue Mehrzweckhalle nach Rulle. Zwei Gesangssolisten, Julia Kemp und Peter Neff, und der Pianist Karl-Heinz Tepe von den Städtischen Bühnen Osnabrück, der Bielefelder Trompeter Bernd Niedermeyer und drei schottische Dudelsackpfeifer boten die beiden Ruller Chöre auf, um einen rauschenden Musikabend zu feiern. Begeisterter Applaus beendete dieses hervorragend organisierte und eindrucksvolle Konzert.“ Dabei gaben die neuen Pulttücher mit dem Zeichen des Bläserchores, zwei gekreuzten goldenen Trompeten in einem weißen Kreis, gold umrandet auf blauen Grund, dem Chor ein eigenes Gepräge.

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Besondere Ehren wurden dem Bläserchor zuteil, als er am 4. Oktober 1986 im Dom zu Osnabrück den Erntedankgottesdienst musikalisch mitgestalten durfte und als er am 27. September 1987 zu der Einführung des Bischofs Ludwig Averkamp auf dem Pausenhof des Gymnasium Carolinums die Gäste in den Programmpausen unterhielt.

Die jüngste Geschichte der neunziger Jahre stand für den Bläserchor unter dem Zeichen wesentlicher Veränderungen. 1990 wurde unser Präses Dechant Gerhard Wilken zum Domkapitular ernannt und ging nach Osnabrück. Es war für den Bläserchor selbstverständlich, dem Gottesdienst und der Verabschiedung seines Präses im Johanneshaus am 29. April 1990 einen festlichen Rahmen zu geben. Präses Dechant Gerhard Wilken hat in all den Jahren seines Wirkens in Rulle für die Belange des Bläserchores immer Verständnis gezeigt und geholfen, wo immer er konnte. Dafür dankte der Bläserchor seinem Präses auf dem Vereinsfest im Januar 1990, verlieh ihm für 25-jährige Präsesarbeit die silberne Ehrennadel und ernannte ihn zum Ehrenpräses.

Ein Jahr später schied eines der fleißigsten und treuesten Mitglieder des Bläserchores, Johannes Tewes, aus gesundheitlichen Gründen nach über 50 Jahren aktiven Blasens als Klarinettist aus dem Verein aus. Seine Disziplin und Beständigkeit waren so sprichwörtlich, dass Robert Laermann die Länge der Pause während der Übungsstunde am Zigarettenverbrauch von Johannes Tewes festmachte; nach zwei Zigarettenlängen ging die Übungsstunde weiter. Johannes Tewes wurde am 5. Januar 1991 für 50-jährige Vereinsmitgliedschaft die goldene Ehrennadel verliehen und wegen seiner Verdienste um den Bläserchor zum Ehrenmitglied ernannt.

Im Jahre 1991 wurde zudem eine einschneidende Änderung der Statuten auf der Generalversammlung beschlossen. Konnten bislang nur Männer als Bläser aufgenommen werden, so steht der Bläserchor seitdem auch Mädchen und Frauen offen. Diese Änderung wird das Gesicht des Chores in Zukunft sicher stark verändern und zu einer weiteren Verjüngung führen. In diesem Sinne ist auch Karl-Heinz Ast tätig, 1.Vorsitzender des Bläserchores seit 1991. Er widmet sich mit großem Engagement dem Nachwuchs, so daß nach einem Jahr schon 5 Bläser im Verein aufgenommen werden konnten Ein Jahr später gab es mit der Kreismusikschule Osnabrück ein Schülervorspiel in der Aula der St. Bernhard Schule Rulle. Es folgten Auftritte unserer Jungbläser beim Pfarrgemeindefest, nach dem Weihnachtsgottesdienst vor der Kirche und 1993 ein weiteres Schülerkonzert. Das fundierte musikalische Können der Jungbläser ist sicher auch auf die seit 1983 bestehende Mitgliedschaft des Bläserchores im Kreismusikverband Osnabrück-Land und die seit 1987 bestehende Mitgliedschaft im Niedersächsischen Volksmusikverband zurückzuführen. 15 Jungbläser absolvierten in dieser Zeit verschiedene Lehrgänge, die sie mit den Noten sehr gut und gut abschlossen.

Ein weiterer konzertanter Höhepunkt in der Geschichte des Bläserchores war im Jahre 1993 das Konzert der Blasmusik. 130 Musiker live vom Bläserchor Bohmte, dem Wallenhorster Blasorchester, dem Musikkorps „Herold“ Pye und dem Bläserchor Rulle brachten die Zuhörer so richtig in Schwung. Der Bläserchor präsentierte sich in neuer Kleidung mit weinrotem Jacket, Weste und schwarzer Hose. Das neue Emblem mit der Ruller Kirche soll unsere Aufgabe als kirchlicher Verein auch nach außen hin bekunden.

Im Jubiläumsjahr 1996 hat der Bläserchor Rulle alle Register gezogen und zum Jubiläumskonzert in der Ruller Mehrzweckhalle die „Hoch und Deutschmeister“ aus Wien verpflichtet. Nachdem der Bläserchor Rulle das Konzert eröffnete, begeisterten die „Hoch- und Deutschmeister“ in der zweiten Hälfte des Konzertes das Publikum. Blasmusik vom Feinsten. Hier ein Jubiläumsfoto aus dem Jahr 1996.

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Die Zeit unter Rüdiger Huesmann (2000 - 2015)

Die Zeit unter Rüdiger Huesmann (2000 – 2015)

Pfingsten 2000 übernahm Rüdiger Huesmann den Dirigentenstab von Johannes Krone. Johannes Krone hat das Orchester 25 Jahre als Dirigent uneigennützig und mit großem Sachverstand geleitet. Es wurde unter seiner Stabführung immer größer und hat sich und die dargebotene Musik entsprechend der geänderten Wünsche des Publikums und der Musiker/innen weiter entwickelt. Der Bläserchor Rulle freut sich insbesondere darüber, dass Johannes Krone dem Orchester die Treue hält und als Flügelhornspieler und Ehrendirigent weiterhin eine zuverlässige Größe ist. Beim Vereinsfest wurde er dafür mit der Ehrennadel der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände ausgezeichnet. Auch an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön! Hier das Jubiläumsfoto aus dem Jahr 2001.

Im Juni 2000 verstab unser Ehrenpräses Domkapitular Wilken, der als Pfarrer in Rulle immer ein offenes Ohr für die Belange des Bläserchores Rulle hatte. Der Chor wird ihm immer ein ehrendes Andenken bewahren.

Ein Dirigentenwechsel bringt natürlich immer auch Veränderungen in der musikalischen Ausrichtung mit sich. Insbesondere bei den kirchlichen Einsätzen ist die Handschrift von Rüdiger Huesmann zu spüren. Neben den gewohnten Chorälen werden nun mehr konzertante Musikstücke und auch modernere Bläsersätze in der Kirche zu Gehör gebracht. Auch die Literatur bei den weltlichen Konzerten hat sich etwas geändert. Märsche, Polkas und Walzer sind etwas weniger zu hören, Melodien aus modernen Musicals oder Filmen umso mehr.

Zum Schluss dieser kleinen Chronik möchte der Bläserchor Rulle dem Haus Nieporte herzlich danken. Welch ein offenes Haus die Familie Nieporte für den Chor bietet mag eine Begebenheit aus dem Protokoll von 1952 belegen. Es heißt dort: „Auf Grund ihrer äußerst vorbildlichen Gastfreundschaft, welche die Vereinswirtin Katharina Nieporte in guten und schlechten Zeiten dem Ruller Bläserchor seit seiner Gründung bis heute angedeihen ließ, wurde sie auf einer Versammlung des Bläserchores als einzige Frau zum Ehrenmitglied des Chores ernannt.“ Bei dieser Grundausrichtung ist es unter Maria Nieporte oder jetzt Siegrid und Franz Nieporte immer geblieben. Herzlichen Dank dafür!

In der nun 95-jährigen Vereinsgeschichte des Bläserchores Rulle hat jeder Dirigent den Verein auf seine Weise geformt und mit seiner Persönlichkeit geprägt. Vieles war in all den Jahren gut, manches wohl auch weniger, doch haben alle Musikerinnen und Musiker sicher eines gemeinsam: Kameradschaft und Idealismus im Verein zu fördern.