Die Zeit unter Robert Laermann (1948 bis 1975)



Wurde unter Dechant Gertken hauptsächlich der kirchliche Auftrag des Chores in den Vordergrund gestellt, so trat der Bläserchor unter der Leitung von Rektor Robert Laermann häufiger an die Öffentlichkeit. In seiner Zeit wurde vieles begonnen, was heute zum traditionellen Bestand des Bläserchores zählt.

Eine dieser Traditionen begann im Jahre 1950. Für die Menschen gab es nach dem Krieg einen Nachholbedarf an Kultur und Geselligkeit. Darum veranstaltete der Chor für seine Mitglieder eine Tannenbaumfeier im Vereinslokal Nieporte. Nach einem kleinen Konzert gab es Kaffee und Kuchen, dann wurden die Kerzen am Tannenbaum angezündet und jung und alt sangen mit Begeisterung Weihnachtslieder. Der anschließende Tanz bis in den Abend hinein rundete die Feier ab, die bei allen das Empfinden hinterließ, zu einer großen Vereinsfamilie zu gehören. Diese Feier im Januar hat sich bis heute in veränderter Form als Vereinsfest für unsere Mitglieder erhalten. Hier ein Foto des Bläserchores aus dem Jahr 1951.

Einige Jahre später konnte der Bläserchor sein 30-jähriges Bestehen feiern. Getreu seinen Wurzeln wurde dieses Jubiläum mit einem Festgottesdienst in der Ruller Wallfahrtskirche eröffnet. Wie so oft bei feierlichen Anlässen begleitete der Chor die Gesänge und spielte zum würdigen Abschluß des Gottesdienstes die Festhymne von Fr. Silcher. Das Gartenkonzert am Nachmittag erhielt einen besonderen Glanz, als der im Amt ergraute Dechant Gertken vor den Chor trat und zwei altbekannte Märsche dirigierte. Niemand konnte ahnen, daß dies sein letzter Auftritt mit dem Chor war.

Am 11. Juli 1952 starb Dechant Wilhelm Gertken. 32 Jahre hat er den Bläserchor geformt, geprägt und immer wieder neu motiviert. Aus Anlaß seines goldenen Priesterjubiläums verlieh ihm 1946 der Bischof den Titel "Geistlicher Rat". Groß sind die Verdienste des Verstorbenen um die Wiederbelebung von Rulle als Wallfahrtsort des Osnabrücker Landes. Seiner Energie und seinem Kunstverständnis ist es zu verdanken, daß in Rulle heute die große, schöne Wallfahrtskirche steht, an deren innerer Ausstattung er bis in die letzten Wochen seines Lebens arbeitete. Der Ruller Bläserchor gab seinem Gründer und Ehrendirigenten mit der gesamten Trauergemeinde das letzte Geleit. Der Bläserchor wird ihm immer ein bleibendes Andenken bewahren.

In den fünfziger Jahren wurden unter Robert Laermann weitere, heute schon traditionelle Einsätze begonnen. So trat 1952 der Pfarrer von Lüstringen, Johannes Gösling, mit der Bitte an den Bläserchor, die Fronleichnamsprozession mit Chorälen zu begleiten. Die Bläser fuhren am Nachmittag mit dem Bus nach Lüstringen, und das begeisterte Singen der ganzen Prozession wurde zu einem herrlichen Gotteslob, wie Pfarrer Gösling dem Bläserchor dankbar schrieb. Bis Ende der 1990er Jahre begleitete der Bläserchor die Fronleichnamsprozession in Lüstringen.

Zwei Jahre später, am 31. Januar 1954, veranstaltete der Bläserchor ein "volkstümliches Konzert" im Saal Wöstmann, mitgestaltet vom MGV "Cäcilia" Rulle und dem Mädchenschulchor der Westruller Schule. Trotz eisiger Kälte waren viele gekommen, um ein paar fröhliche Stunden zu erleben. In der Tagespresse war zu lesen: "Der verdiente Leiter des Bläser- und Mädchenchores, Lehrer R. Laermann, erntete mit seinen Bläsern und Sängerinnen sowie in der Gestaltung der Festfolge einen vollen Erfolg. Das aus 24 Bläsern bestehende Orchester ist unter seiner Stabführung zu einem Klangkörper zusammengewachsen, der durch die Sauberkeit der Tongebung, durch seine straffe Disziplin und in der Zusammensetzung der Instrumente allgemein gefiel. Pfarrer Joh. Thomes sprach in seinen Dankworten davon, daß das musikliebende Rulle uns einige schöne und frohe Stunden geschenkt habe."

In der Folgezeit veranstalteten der Bläserchor und der MGV "Cäcilia" gemeinsam fast jährlich Konzert- und Unterhaltungsabende, die die enge freundschaftliche Verbundenheit der beiden Ruller Chöre dokumentiert. Bis heute setzt sich diese Tradition der gemeinsamen Konzerte fort.

Der Bläserchor pflegte und pflegt aber auch den Kontakt zu anderen Vereinen des Ortes wie dem Sportverein, dem Schützenverein, dem Kolping, der Feuerwehr und noch vielen anderen und spielt zu ihren Veranstaltungen auf.

Doch bei all diesen öffentlichen Veranstaltungen blieb der Bläserchor seinem Grundsatz treu, vorrangig für den kirchlichen Dienst da zu sein. Die jährlichen Prozessionen, die Meppener Wallfahrt, die Männerwallfahrt, die Vertriebenenwallfahrt sowie seit 1963 der Martinszug sind bis heute traditionsreiche und feste Bestände im Vereinsleben. Hier ein Bild von der Männerwallfahrt 1962.

Das 40-jährige Bestehen des Bläserchores wurde am 7.Mai 1961 gefeiert. Nach einem Gottesdienst gab der Chor im Saal Wöstmann ein festliches Konzert. Unter der Leitung von Robert Laermann war der Bläserchor mittlerweile derart geschult, daß er Stunden der Unterhaltung auf hohem Niveau bieten konnte. Besonderen Wert legte Rektor Laermann dabei auf die Einstudierung klassischer Stücke, insbesondere Ouvertüren, die nicht nur das Konzert zur Jubiläumsfeier bereicherten.

Wer kann sie alle eigens nennen, die vielen Einsätze, die der Bläserchor bei Geburtstagen, Hochzeiten, Jubiläen, kirchlichen Anlässen, Totengedenkfeiern, Beerdigungen, Veranstaltungen anderer Vereine und vielem mehr um die 40 Mal im Jahr hatte? Und doch gibt es Einsätze, die besonders erwähnt seien. So pflegt der Bläserchor bis heute ein gutes Verhältnis zu den Schützenvereinen der benachbarten Ortschaften und übernahm von 1962-1998 für den Schützenverein Lechtingen, von 1986-1998 für den Schützenverein Mentrup-Hagen und seit 1972 bis heute für den Schützenverein Icker die Begleitung des Festzuges und das anschließende Konzert im Festzelt.

Ein ganz besonderer Einsatz, dem der Chor immer wieder gerne nachkam, war von 1971 bis 1979 die musikalische Begrüßung des Caritas Sonnenzuges für Behinderte am Osnabrücker Hauptbahnhof. Von 1980 bis 1984 war der Chor sogar Begleiter auf den Fahrten des Sonnenzuges. Norddeich-Mole, Köln-Deutz und Biggesee waren die bevorzugten Ziele der Ausflüge. Während der üblichen Schiffahrt begleitete der Bläserchor die Gesänge beim Gottesdienst und sorgte im Anschluß daran für unbeschwerte musikalische Unterhaltung. Wir hatten bei diesen Einsätzen immer ein dankbares Publikum.

In all den Jahren wuchs der Chor und konnte immer wieder neue Bläser in seine Reihen aufnehmen, wie man auf dem Jubiläumsfoto vor dem Außenaltar der Ruller Kirche zum 50-jährigen Bestehen des Bläserchores im Jahre 1971 sehen kann. Nach dem Festgottesdienst, umrahmt von der Hymne "Festlicher Beginn", dem Largo von Händel und dem Stück "Die Himmel rühmen", versammelten sich die Mitglieder mit ihren Frauen zu einer besinnlichen Stunde im Vereinslokal Nieporte. Das Festkonzert vor großer Kulisse auf dem Platz vor der Turnhalle erntete reichen Beifall. Den Abschluß des Festes bildete in den Abendstunden die gut besuchte Tanzveranstaltung im Saal Lingemann.

Am 27. Februar 1975 verstarb unser Dirigent und 1. Vorsitzende Rektor Robert Laermann. 25 Jahre stand er dem Chor vor und setzte dabei Maßstäbe. Unter seiner Leitung ist der Bläserchor musikalisch gereift und zu einem Begriff für die Öffentlichkeit geworden. Er setzte Pünktlichkeit, Disziplin und Fleiß im Verein um und formte ihn zu einer musikalischen Einheit. Sein Idealismus, seine Einsatzfreude und -bereitschaft für die Ziele und Aufgaben des Bläserchores, gepaart mit echter Kameradschaft für jeden Bläser, ist uns ein bleibender Auftrag. Der Bläserchor begleitete seinen Dirigenten auf seinem letzten Weg. Wir werden ihm immer ein ehrendes Andenken bewahren.